Stilkunde 1 – der Barockrahmen

Die Vokabel Barockrahmen ist gemeinhin DAS Synonym für schnörkelige Goldrahmen. Das aber ist in den häufigsten Fällen einfach falsch. Natürlich gibt es Bilderrahmen mit barocker Ornamentik, aber auch unzählige in anderen Stilrichtungen.

Barock bezeichnet eine Stilepoche, etwa von 1575−1665. Selbst diese kurze Zeit wird in verschiedene Unterepochen eingeteilt: den Früh- und den Mittelbarock. Der Spätbarock ist uns geläufiger als das Rokoko.

Der oder das Barock steht für eine Abwendung von der Ratio der Renaissance, den Säkularisierungsideen und der Reformation. Der Barock ist die Epoche des Absolutismus und der Gegenreformation. Das drückt sich in überbordendem Prunk, ganz besonders in der Sakralkunst-/Architektur, aus oder eben in der persönlichen Überhöhung absolutistischer Fürsten.

In jedem europäischen Land entwickelt sich der Barock mit lokalen Eigenheiten.

Dennoch gibt es klare Merkmale wie Symmetrie, Sockel, Simse, bauchige und wellige Formen entstehen, Flächen verschwinden, Säulen winden sich, klassische Ornamente wie z. B. ionische Schnecken paaren sich mit Akanthusblättern zur überquellenden ornamentalen Fülle − klassische Fruchtgehänge werden zu sich über und über umwickelnden Endlosgirlanden − schlicht: Nichts bleibt leer und alles wird übertrieben.

typischer Barockrahmen